
| Wir haben Catharina W. (Pseudonym) interviewt und
sie zu ihren Erfahrungen mit der Rückkehr befragt: Catharina W. war mit ihrem Mann (Nationalität: Holländer) und Kind 3,5 Jahre im Süden der USA, die Tochter C. war bei der Abreise 1,5 Jahre, ist also jetzt 5 Jahre alt. Wie haben Sie sich auf die Rückkehr vorbereitet? Groß Vorbereitung war da nicht... Es gab eigentlich keine Vorbereitungszeit für unsere Rückkehr. Wir haben sehr kurzfristig erfahren, dass mein Mann einen Job in Deutschland bekommt. Ende Oktober wurden wir informiert und am 31.12. war schon der Rückflug. Der Grund waren Vertragsverhandlungen Das Unternehmen, in dem mein Mann beschäftigt war, verhandelte mit einem anderen über eine Fusion. Zwar gab es vorher schon Gemurmel, aber alles war unsicher. Man ist eben doch nicht so nah an der Zentrale dran. Man versucht zwar, Reisen in die Zentrale zu machen, um sich in Erinnerung zu rufen, aber es ging vielen so, dass bis einige Wochen vorher nichts klar war. Wir dachten erst, wir gehen nach Shanghai, dann hieß es Frankreich, aber dann wurde alles auf Eis gelegt und als dann die Fusion klar war, wurde eine andere Strategie verfolgt und mein Mann erhielt ein Angebot aus Deutschland. Das war zwar plötzlich, aber auch gut. Andere Kollegen wiederum mussten bleiben, weil in bestimmten Gebieten die Stellen reduziert wurden und es keine Jobs in Deutschland gab, das war natürlich ungünstiger. Die Verträge der Arbeitskollegen, die noch in den USA sind, werden jetzt immer um 6 Monate verlängert, ein unsicherer Zustand. Ich habe damals noch an der Uni gearbeitet und es war alles ganz überstürzt. Das einzige, was geklappt hat, war, dass ich aus USA heraus noch einen Kindergartenplatz organisiert bekommen habe. Unser Haus haben wir erst viele Monate später verkauft, denn wir sind damals in die Immobilienkrise reingerutscht. 1 Woche vor Thanksgiving haben wir versucht zu verkaufen, aber da ist immer eine Pause, dann kommt Weihnachten, da verkauft man auch nicht und schließlich haben wir es erst Anfang August des Folgejahres verkauft. Das ist typisch für die USA, da beginnt das neue Schuljahr und alle ziehen um. Und wie war dann die Ankunft in Deutschland?Das war im Nachhinhein schon ziemlich hart muss ich sagen. Dadurch, dass wir beide gearbeitet haben, hatten wir jedoch keine Zeit, ein soziales Netz aufzubauen, denn wir sind ja beide gleich wieder ins Berufsleben eingetaucht. Wenn nur einer von beiden das macht, geht es, aber wenn es beide gleich arbeiten, ist es anstrengend, denn es muss ja so viel organisiert werden. Ich bemühe mich zwar immer, Menschen kennen zu lernen und wir hatten noch Bekannte von früher, aber es war am Anfang einfach schwierig. Wie kündigte sich der Rückkehrschock an? Ich wusste zwar rational, wie es abläuft, aber emotional trifft es dann viel intensiver. Mir sind daher erst die negativen Sachen durch den Kopf gegangen. Auch hatten unsere Familie und unsere Freunde uns besucht, insofern hab ich das drüben nicht so sehr vermisst. Und schließlich hat es mir in den USA einfach sehr gut gefallen. Wir haben uns super integriert. Ich finde den Lebensstil einfach dort schöner. Es fängt mit dem Freizeitangebot an, es ist so viel möglich an Sport und Aktivitäten, dann die Einfachheit, Leute zu treffen. Wir hatten einen riesigen amerikanischen Freundeskreis, in dem wir ganz aufgegangen sind. Und in Deutschland war das Umfeld erst einmal so negativ, denn es wurden Stellen abgebaut. Überhaupt ist die Atmosphäre so anders hier, es gibt keinen Small talk. Ich bin anfangs so zu freundlich herum gelaufen, habe immer Hallo gesagt und mich tausend mal bedankt, aber es kam keine Resonanz. Mein Mann musste sich auch umgewöhnen. Die Unternehmenskultur und der Arbeitsplatz waren so viel anders. Es gab viel neues. Ich habe bemerkt, dass es ihn auch sehr mitnimmt, dass für mich die Situation nicht so optimal war. Aber für ihn ist die Arbeit am wichtigsten. Ich war blauäugig, weil ich das amerikanische Arbeitsumfeld in Erinnerung hatte. Hier in Deutschland ist alles so anders. Ich habe mich anfangs ständig nur beschränkt gefühlt, wenn man nicht die Möglichkeit hat, einfach etwas zu machen. Zunächst war ich froh, dass ich bei meinem alten Arbeitgeber sofort Teilzeit arbeiten konnte und so arbeitete ich im internationalen Controlling. Da ich nur vormittags arbeiten konnte, fühlte ich mich unterfordert, weil ich nur Sachen vorbereitet und abgelegt habe. Meetings kann man merkwürdigerweise nur nachmittags legen, hieß es, das ist schon ziemlich traurig. Und so sah ich keine Entwicklung für mich. Ich hatte Trainings für eine amerikanische Firma gegeben und als Dozentin an der Uni gearbeitet. Es ist da alles immer so dynamisch. In den USA wird man stets weiter entwickelt, ich habe ständig Fortbildungen besucht und konnte sehr selbständig arbeiten. Ich habe auch bemerkt, ich bin viel indirekter geworden in meiner Ausdrucksweise, das ist natürlich in einem maskulin dominierten Umfeld schwer, da muss man sich durchsetzen, sonst wirst du nicht ernst genommen. Das hat mich alles abgeschreckt, den für mich richtigen Schritt zu gehen. Doch mir ging es erst wieder besser, als ich für mich die Konsequenz gezogen habe: ich habe es in den USA geschafft, dann schaff ich es auch hier mit der Selbständigkeit. Ich habe dann schon im Februar gekündigt, aber dann dauert es ja noch lange, bis man wirklich neu anfangen kann. Seit ich draußen bin, geht es mir wieder gut. Ich sah vorher keine Entwicklung für mich. Dann ist die Kinderbetreuungssituation einfach nicht gut: In den USA hatten wir einen Babysitter, hier hatte ich nur einen Halbtagesplatz im Kindergarten und weil unsere Familie weiter weg ist, konnte auf niemanden zurückgreifen. Im Nachhinein denke ich, dass es für mich am schwierigsten war. ich musste zurücklassen, was ich in USA aufgebaut hatte. Aber so ist es, wenn beide eine herausfordernde berufliche Tätigkeit verfolgen wollen. Wie war die Wiederbegegnung mit den Freunden in Deutschland? Das war spannend, denn unsere Freund haben hier natürlich auch weiter gelebt, haben andere Freundschaften aufgebaut, was wir bemerken, wenn wir sie dann treffen. Man muss vorsichtig sein, dass man nicht zu viel schwärmt über die Zeit und den Ort, an dem man war, Denn das Leben hier ist ihnen ja auch etwas wert. Da kriegt man schon Reaktionen wie: hier ist es doch auch ganz toll. Auch muss man vorsichtig sein, dass man nicht in eine Verteidigungsrolle kommt, nur weil einem Amerika gefallen hat und zugleich Bush & Co verteidigen muss. Man wird in dieser Verteidigungshaltung auch mit den ganzen Stereotypen konfrontiert. Erst als unsere Freunde so stereotyp über die USA geredet haben, habe ich bemerkt, wie sehr wir uns adaptiert hatten. Es tat einem einfach weh, wie sie über die USA sprechen, obwohl sie es nicht kennen. Wie hat Ihre Tochter reagiert? "I don´t have any friends here Mommy" Und wie geht es Ihnen jetzt? Seit ich selbständig bin, geht es mir gut. Ich mache jetzt eine Ausbildung zum Business Coach und weitere Fortbildungen, auch um festzustellen, was denn hier gefragt ist. Ich würde mir das gerne mal anschauen, um die Konkurrenz zu sehen. Unsere Tochter hat sich inzwischen toll eingelebt. Im Kindergarten haben wir jetzt einen Platz bis 16 Uhr. Manchmal sagt sie noch, sie vermisse ihre beste Freundin und in den USA sei es so viel schöner wegen des Wetters. Ich versuche zur Zeit jemanden zu finden, der mit ihr Englisch spricht, damit sie die Sprache nicht verliert. Doch das ist bei uns so schwer, weil es ein kleiner Ort ist. Letzte Woche habe ich einfach jemanden angesprochen als ich bemerkt habe, dass die beiden mit englischem Akzent Deutsch sprachen. Jetzt habe ich Adressen, mal sehen, ob es was wird. Zu einem mache ich mir noch Sorgen. Was ist, wenn das Kind in die Schule kommt, denn da wird es in Deutschland schwierig. Wir wohnen leider nicht in einer Gegend mit einer Ganztagesschule, das ist ein Problem. Ich bin mal gespannt. Das System in den USA ist besser, individueller. Wer besser ist, kann sofort in advanced courses gehen. Motivation, Erziehungsverständnis hat mir viel besser gefallen. Das finde ich generell besser für Kinder. Wie halten Sie Kontakt zu Ihren amerikanischen Freunden? Wir waren vor zwei Monaten noch einmal dort, und haben alle wieder getroffen. Der Freundeskreis ist in den USA ist größer, aber da muss man sich keine Illusionen machen, Freundschaft wird auch anders definiert. Aber ein bis zwei werden als close friends übrig bleiben. Viel zu investieren, wird über die Distanz schwieriger, und auch der Euro-Dollar-Wechselkurs hat viele abgeschreckt. Nächstes Jahr wollen uns ein oder zwei Familien für eine Europatour besuchen kommen. Ansonsten skypen wir halt. Welche Tipps können Sie anderen aus Ihrer Erfahrung geben?
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